Die Gründung der Rettungshundestaffel ging auf einen Vermisstenfall zurück.

 

 

Andreas Graf Riebler von Rowell und seine Ehefrau Melanie mit ihren Rettern auf vier Pfoten,

Tschako und Prinzessin Motte. Der Mittelneufnacher hat vor einem Jahr in den Stauden eine

Rettungshundestaffel ins Leben gerufen.                                         Bild: Siegfried P. Rupprecht

 

Er ist ein Mensch mit festen Zielen und langem Atem. Eigenschaften, die Andreas Graf Riebler von Rowell auch für die Gründung der Mittelneufnacher Rettungshundestaffel Augsburg und Umland benötigte. Seit dem Bestehen des Vereins habe er viel erlebt, Höhen und zum Glück nur wenig Tiefen, resümiert er und tätschelt der Border-Collie-Mischung Tschako liebevoll den Kopf.

Er und sein Vierbeiner sind sowohl in der Flächen- also auch Trümmersuche ausgebildet. Das sei bei der Fahndung nach Vermissten oder verunglückten Menschen unersetzlich, betont Riebler von Rowell. „Die Nasenleistung der Hunde erstaunt mich immer wieder aufs Neue.“

Kind lief weg und blieb lange verschwunden

Die Gründung der Rettungshundestaffel ging auf einen Vermisstenfall zurück. Ein Kind aus den Stauden hatte nach einem Streit die elterliche Wohnung verlassen und blieb lange verschwunden. Feuerwehrleute fanden es schließlich unterkühlt auf. Bei der Suche wurden auch Rettungshunde eingesetzt. Doch die kamen nicht aus der unmittelbaren Region. Die Stauden verfügten nämlich nicht über eine eigene Staffel. Für Riebler von Rowell Grund genug, Ende 2017 eine eigene Gruppe ins Leben zu rufen. Ein gutes Jahr lang sind sie nun tätig.

Dabei betrat er allerdings kein Neuland. Der selbstständige Metallbaumeister, Kunstschlosser und Designer ist geprüfter Rettungshundeführer und war bereits ehrenamtlich unter anderem für die Rettungshundestaffeln der Johanniter in Landsberg am Lech und des BRK Augsburg-Stadt tätig.

In den ersten Monaten herrschte eine starke Fluktuation

Dennoch wusste er, dass die Gründung und der Aufbau einer Staffel kein Selbstläufer wird. „Es galt Menschen zu gewinnen, die bereit waren, Verantwortung für sich und andere zu übernehmen“, erzählt der Mittelneufnacher. Er hatte das Glück des Tüchtigen. Seine Appelle und sein Engagement verhallten nicht ungehört: Schon bald fanden sich Mitstreiter ein, die sowohl Spaß an der Hundearbeit als auch am Lernverhalten der Tiere aufbrachten. „Wir starteten mit acht Mitglieder“, erinnert sich der 51-Jährige. In den ersten Monaten sei es jedoch ein Kommen und Gehen gewesen. Einmal habe es an der notwendigen Kondition und Leistungsfähigkeit von Mensch und Tier gemangelt, ein andermal an der Einstellung oder an der passenden Chemie im Miteinander. „Jetzt sind wir gefestigt und verfügen über 16 Mitglieder“, freut er sich.

Was ist bei einer Rettungshundestaffel anders als bei herkömmlichen Vereinen? „Man muss mit Leib und Seele bei der Sache sein“, erklärt Riebler von Rowell. Mal eben schnell mit seinem Vierbeiner vorbeischauen und mitmischen, funktioniere nicht. Bis zur Einsatzfähigkeit vergehe Zeit.

Regelmäßiges Training mit den Hunden in speziellen Ausbildungszentren

„Bis es so weit ist, muss eine Reihe von Prüfungen absolviert werden“, informiert Melanie Gräfin von Rowell. Sie ist seit Gründung der Rettungshundestaffel an der Seite ihres Mannes dabei. Hinzu käme regelmäßiges Training mit den Hunden in speziellen Ausbildungszentren, die mit Ruinen, Betonpfeilern und Geröll realistische Katastrophenszenarien aufweisen. Nur so sei es möglich, Mensch und Tier richtig auf die verantwortungsvolle Suchaufgabe und den Ernstfall vorzubereiten. Das alles setze viel Engagement voraus, Zeit und auch Geldmittel. „Die Kosten für Haltung, Tierarzt und Fortbildungen tragen die Vereinsmitglieder selbst“, verdeutlicht Melanie von Rowell. „Wir betreiben ein Wind- und Wetterhobby und stehen mit unseren Lebensrettern auf vier Pfoten für Alarmierungen rund um die Uhr an 365 Tagen zur Verfügung.“ Egal, ob es Ostern, Heilig Abend oder Silvester sei.

Ihr Ehemann verweist in diesem Zusammenhang darauf, dass auch Menschen ohne Vierbeiner bei der Rettungshundestaffel willkommen seien. Beispielsweise als Helfer und Versteckperson im Übungsbetrieb oder durch Anbieten von Trainingsgeländen wie Waldgebieten, Abbruchgebäuden oder nicht mehr benutzten Industrieanlagen zu Trainingszwecken.

Rückblickend zeigt sich Riebler von Rowell sehr zufrieden: „Wir haben unseren Weg gefunden und verfügen über ein festes und gutes Team.“ Mittlerweile gehöre die Staffel auch dem Bundesverband Rettungshunde (BRH) an.

Weitere Ziele hat er dennoch. Persönlich strebt er die Zertifizierung als Ausbilder an und das erfolgreiche Abschneiden Tschakos bei der Prüfung als Trümmersuchhund. Bei der Staffel - die jetzt unter der Bezeichnung BRH-Rettungshundestaffel Augsburg und Umland e.V. mit Sitz in Mittelneufnach firmiert - setzt er auf das bisherige effektive Miteinander von Mensch und vierbeiniger Spürnase. Priorität habe, eine vermisste Person aufzufinden. „Und am Schönsten ist es, wenn der Suchhund uns dies durch Vorsitzen, Anspringen oder Anbellen anzeigt.“ Denn das Bellen zeigt, dass der Vermisste lebt.

Von Siegfried P. Rupprecht  /  Schwabmünchner Allgemeine